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| Autor | Beitrag | Padina
         
Herkunft: Göttingen Dabei seit: 04.04.2005 Verfasst am: 24.04.2005 19:04 | Liebe Lyrikfreundinnen,
liebe Lyrikfreunde,
ein spezifisches Merkmal der Lyrik ist ihre Versform. Früher bestimmte die Metrik das Versende. Der Vers war als Information für den Sprecher gedacht.
Viele neuere zeitgenössische Gedichte haben nun mit der Metrik gebrochen. Damit ergeben sich für den Sprecher zwei Fragen:
Nach welchen Kriterien werden in modernen Gedichten die Verse festgelegt?
Welche Informationen enthält der Vers moderer Gedichten für den Sprecher?
Mit lyrischen Grüßen
Ihr
Padina (Dieter Porth) | daniel Lyrikfreund
  Herkunft: bern Dabei seit: 12.11.2007 Verfasst am: 14.11.2007 19:02 | nicht alles, was in zeilenform geschrieben steht, nenne ich ein gedicht, das meiste wohl nicht. die zeilenform kann die darstellerische ästetik befriedigen, den verlauf des gedankenflusses prononcieren oder aus andern gründen gewählt werden, die nichts mit poesie, mit lyrik zu tun haben. um inflationärem gebrauch des wortes gedicht vorschub zu leisten, behalte ich mir vor, nur poetische kriterien und auch die metrik, die weit gefasst sein kann, zum gedicht dazuzurechnen. ich selbst schmiede zuweilen verse aus freude am wortspiel, an der pointe, der verlangten sprachlichen knappheit, ohne deswegen von gedichten zu sprechen. ich schmiede verse. ich glaube aber, mir gehts jedenfalls so, das versmass oder die verse werden nicht 'festgelegt', sondern ergeben sich im verlaufe des arbeitsprozesses von selbst, meist intuitiv. häufig hat man auch einen anfang oder einen schluss im kopf, danach richtet sich der rest, aber umstellungen und veränderungen können durchaus offenbleiben. gedicht als kunstwerk deklariert - und davon rede ich eigentlich - enthält keine informationen, oder nur nebenher, beiläufig, wie alles, was sprachlich artikuliert wird. in einem gedicht geht es um sehr viel anderes als darum. das gefühl regiert, die stimmung, ahnung, die erfindung, die spekulation, die erweiterung des gedanklichen und gefühlsmässigen horizonts. gedichte (wie andre kunstwerke auch) sind lebewesen. organisch. vielschichtig. mehrdeutig interpretierbar und nie einfürallemal. bin ich eine information, da ich am leben? wäre dies meine hauptsächliche funktion im glanze des universums? | Padina
         
Herkunft: Göttingen Dabei seit: 04.04.2005 Verfasst am: 11.02.2008 09:05 | > nicht alles, was in zeilenform geschrieben steht, nenne ich ein gedicht, ..
Wenn es Kurzzeilen sind, sehe ich darin durchaus ein Gedicht. Denn es gibt in heutiger Zeit keinen Anhaltspunkt mehr.
> nur poetische kriterien und auch die metrik, die weit gefasst sein kann,
> zum gedicht dazuzurechnen. ...
Weil ich aber nicht jede Metrik verstehe, muss ich mich mit dem formalen kriterium der Verse behelfen.
> nur poetische kriterien ...
> ... gedicht als kunstwerk deklariert - und davon rede ich eigentlich - enthält
> keine informationen, oder nur nebenher, beiläufig, wie alles, was sprachlich
> artikuliert wird. in einem gedicht geht es um sehr viel anderes als darum.
> das gefühl regiert, ...
> ... gedichte (wie andre kunstwerke auch) sind lebewesen. organisch.
> vielschichtig. mehrdeutig interpretierbar und nie einfürallemal. ...
Interessante Sichtweise. Das Gedicht wird verdinglich und bekommt eine Existenzberechtigung aus sich selbst heraus. Damit enthebt sich das Gedicht jeglicher Kritik. Die Sichtweise schützt auch den Dichter vor Kritik, weil alles beliebig und ungebändigt wird. das Gedichtding macht in ungebändigt und erlaubt ihm, jeden Dummfug von sich zu geben.
Ich glaube, ich behalte meine bodenständige Sichtweise bei und betrachte ein Gedicht als Verständigungsmittel. Und wenn ein Dichter sich nicht verständlich machen kann, dann ist seine Dichtskunst in meinen Augen scheiße und er soll bitte andere Menschen als mich vollschwallen. Es gibt einfache Gedichte und es gibt komplexe Gedichte mit mehreren kalr erkennbaren Informationen. In vielen Modernen Gedichten gibt es aber keine erkennbare Information sondern nur Wortreihungen. Ich muss mir nicht von jedem Wirrkopf meine Zeit stehlen lassen und es als Gedicht lobpreisen.
Padina | daniel Lyrikfreund
  Herkunft: bern Dabei seit: 12.11.2007 Verfasst am: 12.02.2008 11:49 | oh nein. mit meinen kriterien wird der dummfug gerade denunziert. sprachkunst heisst, mehr als information zu erreichen, zu verlebendigen, tiefe empfindungen zum schwingen zu bringen, die sinne zu erreichen, eine atmosfäre entstehen zu lassen. damit wächst das gedicht über eine monotematische interpretation hinaus, wird eben vielschichtig und mehrdeutig, aber keineswegs diffus und indifferent. in einer grossen komposition schwingt patos mit trauer, freude mit entsagung, mischt sich verliebtheit mit angst, schimmern immer diverse aspekte und vermengen sich auf eine ganz persönliche weise. ob in der musik oder in der sprachkunst. wir sind eben nicht eindimensionale wesen, nicht reduzierbar auf ein paar klischees.
es gibt schon anhaltspunkte in heutiger zeit. da ich lebe und sie formuliere, gibt es sie...:-)
es gibt allerdings vielzuviel kitsch, und der überspült die hirne mit albernem gerede. so dass man sich am ende nicht mehr auskennt.
ich bin nun gewiss nicht einer, welcher die dichter vor kritik schützt, hehe, im gegenteil! gerade mit meinen massstäben kann ich sie überhaupt erst kritisieren jenseits eines blossen geschmackurteils.
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